Ein holpriger Start …

Gestern landeten wir endlich in dem Land, das wir uns seit über zwei Jahren in unseren Träumen vorstellen. Über 1000 Kilometer liegen nun zwischen unserer Heimat und dem „Hier“. Über zwei Stunden verbrachten wir in der Luft und weitere drei Stunden in Verkehrsmitteln. Und hier sind wir nun: In Norwegen.

Die Anreise war sehr anstrengend. Da es vom Flughafen Hannover leider keine Direktverbindung nach Bergen gibt, mussten wir einen Zwischenstopp in Kopenhagen einlegen. Mit einer total witzigen, winzigkleinen Propellermaschine, flogen wir etwas über eine Stunde über ein nicht enden wollendes Wolkenmeer nach Kopenhagen und mussten dann gute drei Stunden im Transitbereich auf unseren Weiterflug warten. Ganz schön viel Zeit … Wir haben die Zeit „genutzt“ und leckere dänische Lakritze gekauft, Hotdogs gegessen und ein Wenig gedöst. Als es dann endlich weiter ging, saßen wir in einer weitaus größeren Maschine, die zum Glück auch etwas angenehmer war: Weniger Druck auf den Ohren, weniger Lärm, weniger Gewackel. 😉

Eine weitere gute Stunde „saßen“ wir also im Himmel. Dieser Flug war weitaus spannender: die Wolkendecke brach über der Ostsee auf und wir konnten Norwegens Westküste von oben bestaunen: Überall lag Schnee auf den winzig wirkenden Gipfeln. Wie hoch sie wohl in Wirklichkeit waren? Wir entfernten uns immer weiter von der Sonne und konnten dann vom Himmel aus den beginnenden Sonnenuntergang bestaunen. Das war herrlich …

In Bergen angekommen ging es erst einmal auch gut weiter. Am Flughafen startet die Bybanen (Stadtbahn), die direkt bis ins Stadtzentrum führt. An einem Automaten konnte ich meine zuvor online georderte Skyss-Karte mit einem Monatsticket aufladen. Das ging ganz einfach – leider habe ich mich jedoch trotzdem verkauft, was ich erst später merkte… Ich wählte die Zone A. Hier wurde auch Valestrand mit aufgelistet. In einem nächsten Schritt konnte ich wählen, was noch hinzukommen soll. Wähle ich nur Zone A, oder Zone A+Fähre xy? Da bereits zuvor Valestrand aufgelistet wurde, war ich mir sicher, dass A reicht, wählte es aus und zahlte circa 50 Euro für einen Monat. Merk dir das, das entstandene Problem erkläre ich gleich… Denn ab Bergen-Zentrum wurde es plötzlich sehr knifflig …

Leider hatten wir eine Direktverbindung nach Valestrand verpasst. Valestrand liegt etwa 22 Kilometer nördlich vom Stadtzentrum Bergen. Keine Strecke, die man mal eben so läuft (zu mal ein Teil der Strecke über einen Fjord führt). Wir sind also auf die öffentlichen Verkehrsmittel angewiesen. Eine Direktverbindung fährt unter der Woche nur bis 16 Uhr; die hatten wir leider knapp verpasst. Ab 16 Uhr heißt es auf andere Busse zurückgreifen und mehrmals umsteigen. Zum Glück gibt es aber eine App, die einem alle Verbindungen aufzeigt und auflistet, wie man von A nach B kommt. Sehr praktisch – sofern man weiß, wie man damit umgehen muss. Das haben wir leider auf die „harte Tour“ lernen müssen.

Die App zeigt nämlich alle Verbindungen – also auch Züge oder Reisebusse – beides Verkehrsmittel, die nicht in unseren gerade gekauften Tickets enthalten waren. Nachdem wir also eine neue Verbindung als die unsere auserkoren hatten und mit einem Bus zur nächsten „Umsteigestation“ fuhren, sagte uns der nun vor uns stehende Busfahrer des Reisebusses, dass die Fahrt pro Person circa 40 Euro kostet. UFF!! 40 Euro?! Ich war etwas geschockt, denn schließlich werde ich ebendiese Strecke in den kommenden zwei Monaten jeden Tag fahren müssen. Da gehe ich ja total pleite bei!

Bergen bei Nacht … die teuerste Stadt Norwegens …

Das sollte nicht die Lösung sein. Wir entschieden uns, den Bus ohne uns losziehen zu lassen und checkten erneut die App. Merke für die Zukunft: Busse mit Buchstaben-Zahlenkombinationen sind nicht im Ticket enthalten und kosten extra. Die nächste angebotene Verbindung enthielt eine Zugfahrt… Und fiel somit auch raus.

Unsere Lösung führte uns letztlich wieder zur Endstation der Bybanen, wo wir einige Minuten zuvor aus- und umgestiegen waren. Also ging es für uns zur nächsten Bybanen-Station und die drei Stationen bis zur Endstation zurück. Das Ticket, das wir zuvor für Martin gekauft hatten, war nur für die Bybanen gültig, also musste ein neues her. Dieses Mal bemerkte ich beim Kaufvorgang, der dem Monatsticket sehr ähnlich ist, dass die letzte Option der Zone A auch eine Fähre enthielt: Von Breistein nach Valestrand. Die Abkürzung „Bre-Val“ hatte ich zuvor leider nicht als eine solche Abkürzung definiert… Ich kaufte also für Martin ein Tagesticket inkl. der Fähre und bemerkte dabei, dass mein Monatsticket, dass ich gekauft hatte, diese Fähre leider nicht mit einschloss … Ich musste also ein weiteres Ticket kaufen. Inkl. Fähre nach Valestrand kostete es dann auch mal eben 10 Euro mehr. Yeahi … Somit hatte ich also zwei Monatstickets gekauft. Super gemacht, Alina! 😉

Aber nun gut. Es ging weiter ab der Endstation Byparken, wo wir wir auf einen Bus warteten, der uns ein paar Stationen mitnahm. Dort mussten wir auf einen weiteren Bus warten, der uns bis zur Fähre brachte, damit wir anschließend mit dieser über den Fjord fahren und zu Fuß unser Haus erreichen konnten. Das alles hat am Ende sehr viel länger gedauert, als geplant und war sehr nervenaufreibend … und teuer … (was als Student wohl nicht zu vernachlässigen ist).

Im Haus angekommen, wurde es leider noch nicht besser. Unser Vermieter ist die ersten fünf Wochen meines Aufenthaltes im Ausland tätig, sodass ich erst einmal alleine bin. Aus diesem Grund war das Haus seit einigen Tagen nicht mehr geheizt worden und begrüßte uns mit frösteligen 13 Grad. Nach der Tortour mit den Bussen und dem vielen Stehen und Warten draußen, bei circa null Grad, waren wir ziemlich durchgefroren und konnten uns nun auch im Haus nicht wirklich aufwärmen.

Ich muss gestehen: ich war ziemlich am Ende. Erst das fürchterliche Busfahren, das mir schon große Sorgen für die kommende Zeit bereitete, dann der ganze Stress, den eine Reise nun einmal so mit sich bringt und dann auch noch das eisige Haus, das auch mit Ofen und Heizung nicht wärmer werden wollte. Ich war sehr aufgelöst und bereute es zutiefst, mich für dieses Praktikum im Ausland entschieden zu haben. Und noch viel mehr Angst hatte ich vor Sonntag, und habe es noch, wenn Martin ohne mich wieder wegfliegt.

Mit Schüttelfrost, Panikattacken und Heulkrämpfen schlief ich ziemlich unruhig ein. Oh weia … Zum Glück sah der heutige Tag schon ganz anders aus! Nachdem wir einkaufen waren und uns eingelebt hatten und auch das Haus endlich wärmer wurde, bin ich mittlerweile guter Dinge. Aufgeregt bin ich noch immer – aber es wird besser. Irgendwie werde ich das Abenteuer Auslandsaufenthalt schon meistern. 😉

Auf das die kommenden Monate nicht so schlimm werden, wie ich es gestern Abend befürchtet hatte!!

Ha det fint!
Alina ♥

Foto Nr. 3 von Harry Burk auf UnsplashHarry Burk

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