Raus aus Deutschland?

Martin und ich sind schon seit zig Jahren am rum spinnen, ob wir nicht vielleicht eines Tages mal auswandern wollen. Zu Beginn waren wir in England verliebt, haben viel herum gesponnen und es doch nie so wirklich ernst gemeint.

Irgendwann entdeckten wir Norwegens wundervolle Natur im TV und waren so gebannt von diesem Land, dass wir uns die nächsten Jahre eigentlich nur noch mit dem schönen Norden befassten. Das ist bis heute geblieben, obwohl wir leider nie die Möglichkeit hatten, Norwegen einmal live zu erleben. So wurde uns bewusst, dass es unzählige schöne Orte auf dieser Welt gibt, die wir alle noch nicht kennen. Wie sollen wir denn unsere Wahlheimat finden, wenn wir eigentlich noch gar nichts kennen? Und so entstand dann auch die Idee zu diesem Blog: Wir möchten die Länder kennen lernen, von denen wir uns vorstellen könnten, dort ein Leben zu führen und unsere Erfahrungen hier festhalten.


Doch warum eigentlich raus aus Deutschland?

Deutschland ist kein schlechtes Land. Die Krankenversorgung ist sehr gut, die Arbeitslosenquote gering, die Wirtschaft sehr gut. Dennoch gibt es viele Punkte, die uns stören und nicht glücklich machen. Dinge, denen wir zumindest ein Stück weit in anderen Ländern nicht gegenüberstehen müssten.

 

Deutschland ist stets zielorientiert.

Das muss keine schlechte Eigenschaft sein, doch irgendwie wird es mittlerweile an die Spitze getrieben: jeder will den anderen überbieten, alles ist irgendwie ein Wettkampf. Das macht nur unnötig Stress und Druck, sich anzustrengen. Häufig auch über die Grenzen der Belastbarkeit hinweg. Das muss unserer Meinung nach echt nicht sein und steht einem auf dem Weg ins eigene Glück nur im Weg!

 

Deutschlands Politik zielt viel zu stark auf die Wirtschaft ab.

Ich finde, in unserer Politik ist der Stellenwert der Wirtschaft viel zu hoch. Aus allem muss das Meiste an Geld gezogen werden, die großen Firmen werden immer größer und die kleinen, privaten Firmen gucken doof in die Wäsche. Lobbyisten steuern Politiker und Politiker unser Leben. Mir macht das keinen Spaß mehr! Es sollte endlich mehr an die einzelnen Bürger gedacht werden. Andere Länder schaffen das auch – die Skandinavier sind ganz oben dabei. Warum also wir nicht auch?

 

Der Fremdenhass wird immer größer.

Egal ob Flüchtlinge, Juden, Immigranten… Das ist so grausam. Ich habe das Gefühl, dass momentan in so vielen Ländern auf der ganzen Welt der Fremdenhass zunimmt, rechte Parteien mehr Wähler gewinnen und überhaupt alle am liebsten nur noch „das gute Deutsche“ (durch beliebiges Land ersetzbar) bewahren wollen. Doch mal im Ernst: was ist denn Deutsch? Macht uns nicht alle das Internationale aus, das Zusammenführen diverser Kulturen zu einer „Multikultur“? Wäre es nicht enorm langweilig, wenn es nur noch einen deutschen Einheitsbrei gäbe? Und überhaupt: Interessieren sich diese Menschen gar nicht mehr für unsere Vergangenheit, obwohl sie noch bis vor kurzem so schwer auf unseren Schultern lastete (und jetzt scheinbar plötzlich in Vergessenheit gerät)? Deutschland ist leider nicht das einzige Land, in dem momentan ein solcher Wandel zu beobachten ist. Eventuell ist dieser Punkt für unsere Wahlheimatsuche also nur bedingt beachtbar…

 

Deutschland ist der Klimawandel scheinbar egal.

Oh wie mich das stört, dass es in Deutschland nicht klappt, die Klimaschutzziele einzuhalten. Braunkohle wird nach wie vor gefördert, dafür werden hektarweise Wald abgerodet. Aber auch an der Denkweise vieler Menschen ändert sich nichts und es wird grundsätzlich nicht über die Folgen des eigenen Handelns nachgedacht – warum auch? Das haben doch schließlich schon unsere Eltern und Großeltern so gemacht – oder eben nicht gemacht. Ich muss gestehen, dass mir der Klimawandel allmählich Angst macht. Wenn ich sehe, wie das Klima alleine in diesem Jahr „außer Kontrolle“ geraten ist, möchte ich gar nicht wissen, wie es hier in 10-20 Jahren aussieht… Stichpunkt: Klimaflüchtling?

 

Deutschlands Sommer sind uns zu heiß.

Ja, Martin und ich mögen’s lieber kalt. Natürlich ist ein warmer Sommer auch schön, aber ehrlich gesagt reichen uns ein paar heiße Tage mit 26-28 Grad vollkommen aus. Und bitte auch nur ein paar, denn wochenlang 28 Grad ist auch viiiiel zu viel! 😀 Wir sind da ganz offensichtlich anders gestrickt, als viele andere. Wir liiiieben den Winter und die Winter in Deutschland haben einfach nicht genug Schnee für unser Gefühl (außer natürlich die Alpenregionen). Aus diesem Grund stehen auf unserer Länderliste auch fast nur nördlicher gelegene Länder.

 

Die Landschaft wo wir wohnen ist öde.

Punkt. 😉 Ne, mal im Ernst: es gibt ganz viele, tolle und atemberaubende Landschaften in Deutschland. Herford zählt leider nicht dazu. Wir haben so überhaupt gar kein Gewässer in der Nähe, in dem man auch mal schwimmen könnte. Alles kilometerweit entfernt. Die Berge sind nicht besonders bergig und die flachen Gegenden sind auch eher öde. Überall ist Landwirtschaft, Industrie und Wohngebiet, naturbelassen ist quasi nichts. Das ist einfach öde!

 

Und zu guter Letzt: Wir sind jung – und nichts hält uns auf!

Martin und ich sind gerade erst dabei, unsere Ausbildungen zu machen. Wir sind jung. Die Familienplanung steht erst in einigen Jahren an. Wenn nicht jetzt – wann dann? Wir haben momentan einfach noch die Möglichkeit, uns ein neues Leben irgendwo anders aufzubauen und neu anzufangen, denn wir haben ja noch gar nicht richtig angefangen. Natürlich haben wir hier Familie und Freunde, und auch wenn der Abschied sehr schwer fallen wird, denken wir, dass uns das nicht davon abhalten sollte, unseren Traum zu verfolgen. Wahre Freundschaften und feste Familienbande werden auch größere Entfernungen überstehen – da sind wir uns sicher!

Natürlich ist uns bewusst, dass auch in anderen Ländern vieles schief läuft und wir nicht mit einer rosaroten Brille an die Sache heran gehen sollten – dennoch: was sollte uns davon abhalten, das Land zur Wahlheimat zu nehmen, in dem wir am zufriedensten sind?


Wie also sieht unser Traumland aus?

Ganz genau können wir das eigentlich gar nicht sagen. Uns ist wichtig, dass wir uns wohl fühlen, uns von der Politik unterstützt und nicht benachteiligt fühlen, uns das Klima und auch die Landschaft jeden Tag aufs Neue gefällt (was durchaus auch in Teilen Deutschlands möglich wäre), dass die Menschen uns freundlich aufnehmen, sofern wir bereit sind, uns zu integrieren (was meiner Meinung nach sowieso dazu gehört!!) und dass wir eben am Ende des Tages sagen können: „Hach, ist das schön hier“. Wenn uns ein Land also wirklich gefällt und wir ernsthaft über eine Auswanderung nachdenken, werden wir entsprechend auch umfassender recherchieren: uns alle möglichen Vor- und Nachteile ansehen, um abwägen zu können; auch die Politik betrachten, von der wir vorher wahrscheinlich nicht allzu viel wissen werden; Erfahrungsberichte anderer Auswanderer und Einheimischer ansehen, und und und. Und wenn wir uns dann wirklich sicher sind, es wagen zu wollen: Ja, dann versuchen wir es einfach. Und mal im Ernst: wenn wir nach ein paar Monaten oder Jahren feststellen, dass wir doch lieber wieder in Deutschland wohnen wollen, dann sind wir um einige Erfahrungen reicher und gehen zurück. 🙂 So „einfach“ ist das.

Wie siehst Du das? Überlegst auch Du auszuwandern oder bist du zufrieden, so wie es ist? Siehst Du unsere Beweggründe anders oder genauso? Ich freue mich über regen Austausch und Erfahrungen! 🙂

Liebe Grüße
Deine Alina ♥

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