Steffie wandert aus – ihre Erfahrungen in Norwegen

Da Martin und ich (noch) nicht ausgewandert sind, können wir dieses Thema nur sehr hypothetisch betrachten. Uns mit den Informationen und Fakten befassen, die wir recherchieren und dir von unseren Erfahrungen vom Aufenthalt im jeweiligen Land erzählen. Konkreter aber kann es (noch) nicht werden.

Grund genug also, sich einmal mit den Erfahrungen von Menschen zu befassen, die tatsächlich bereits ausgewandert sind. 🙂

Ich habe Steffie vom Blog fjordliebe.com gebeten, mir einige Fragen zu beantworten. Hier kommen nun also ihre Erfahrungen mit einer Auswanderung nach Norwegen:


 

Stell dich doch bitte einmal kurz vor.

Ich bin Steffie, lebe seit 7 Jahren mit meinem Mann in Trondheim in Norwegen, bin Mama einer kleinen Tochter und zur Zeit wieder Studentin. Auf fjordliebe.com blogge ich über meine Erfahrungen mit der Auswanderung in den hohen Norden. 🙂

 

Seit wann bist du in Norwegen?

Seit November 2011.

 

Wieso hast du dich für Norwegen als neues Heimatland entschieden?

Mein Mann und ich wollten nach Ende unseren Studiums gern für eine gewisse Zeit ins Ausland gehen. Wie ihr beiden, hatten wir Lust etwas Neues zu entdecken und heraus zu finden, wo wir gerne in Zukunft leben möchten. Dass es Norwegen wurde, war eher Zufall, da mein Mann hier ein Jobangebot bekam.

 

Wie erfolgte die Jobsuche für dich?

Zunächst nicht so einfach, da ich damals mit wenigen Sprachkenntnissen her zog, wurde mir vom Arbeitsamt ganz klar gesagt, ich könne entweder als Putzhilfe arbeiten, oder einen Norwegischkurs machen. Da ich ohnehin die Sprache lernen wollte, habe ich mich für einen Norwegischkurs entschieden. 8 Monate und drei Sprachkurse später, bekam ich dann zunächst eine befristete Vollzeitstelle in der Verwaltung einer Schule, die später zu einer unbefristeten Stelle wurde, in der ich bis zur Geburt unserer Tochter tätig war. Die Jobsuche läuft hier im Prinzip wie in Deutschland, allerdings sind Beziehungen hier fast noch wichtiger. Wenn man nicht gerade im Gesundheits- oder IT-Bereich arbeitet, ist es nicht so einfach, etwas zu finden. Ich kenne viele, die hier etwas anderes machen als früher im Heimatland. Das Wetter und die Arbeitsmarktsituation sind sicher etwas anders, wenn man in Oslo oder ganz im Norden wohnt. Zumindest habe ich gehört, dass es einfacher ist, im Norden einen Job zu bekommen, weil nicht jeder bereit ist, dort hin zu ziehen. 🙂

 

Musstest du in Deutschland viel aufgeben? Fiel es dir schwer?

Da ich zum Zeitpunkt unseres Umzugs gerade mit meinem Studium fertig war, musste ich eigentlich “nur” meine Familie zurück lassen, sie ist es auch, die mir heute noch am meisten fehlt. Damals wollten mein Mann und ich nach einem Jahr zurück kommen, das machte mir den Abschied leichter, wir ahnten nicht, dass daraus 7 Jahre werden würden.

 

Bist du zufrieden mit deinem momentanen Leben in Norwegen?

Ja, das bin ich. Natürlich gibt es Höhen und Tiefen und ich habe in den letzten Jahren auch mehrmals über einen Umzug nachgedacht, aber insgesamt fühlen wir uns hier noch sehr wohl.

 

Würdest du wieder zurück nach Deutschland gehen oder ist es sogar dein Plan?

Wir haben im Moment nicht geplant wieder nach Deutschland zu ziehen, schließen es aber auch nicht aus. Da wir nun nicht mehr nur zu zweit sind, kommen ganz andere Aspekte ins Spiel, z.B. die Frage, wo unser Kind zur Schule gehen soll, ob es doch lieber in der Nähe der Großeltern aufwachsen soll, usw.

 

Wie gelang dir das Auswandern? Gab es Schwierigkeiten?

Eigentlich lief alles reibungslos. Wir sind damals mit einem Umzugsunternehmen umgezogen, das schon zuvor Umzüge nach Norwegen gefahren ist. Die Anmeldung hier bei der Polizei und Steuerbehörde ging auch schnell und da mein Mann Finne ist, hatte ich innerhalb von zwei Wochen eine unbefristete Aufenthaltsgenehmigung.

 

Hast du Tipps? Dinge, die es einfacher gemacht hätten, hättest du sie damals schon gewusst?

Wir wären damals nicht ohne das konkrete Stellenangebot meines Mannes umgezogen. Von den Arbeitskollegen haben wir den Tipp bekommen, bei Finn.no nach Wohnungen zu suchen. Dort gibt es sowohl Objekte zur Miete als auch zum Kauf und man kann günstig gebrauchte Möbel oder Ähnliches erwerben. Die Mieten und auch die Lebenshaltungskosten sind hier vergleichsweise hoch, wie du sicherlich auch schon bemerkt hast. Wir haben uns vor unserem Umzug über die Höhe der Steuern, Mietpreise und Nahrungsmittelpreise informiert, das würde ich auch wieder so machen.

 

Kommst du gut mit der Sprache klar?

Seit einigen Jahren: ja. Wenn man Deutsch und/oder Englisch spricht, hat man gute Voraussetzungen, Norwegisch zu lernen. Am Anfang machte mir jedoch die Aussprache etwas zu schaffen. Man muss wissen, dass es in Norwegen viele verschiedene Dialekte gibt und dass die geschriebene Sprache stark vom gesprochenen Wort abweichen kann.

 

Wo ist es besser: In Deutschland oder in Norwegen? Und wieso?

Diese Frage kann man leider nicht pauschal beantworten. Jeder hat darauf sicher eine ganz individuelle Antwort. Ich selbst schwanke auch öfter mal hin und her, besonders im Winter, den würde ich nämlich schon lieber in Deutschland verbringen. Erst seit ich in Norwegen bin, merke ich, dass ich in Deutschland vieles für selbstverständlich angesehen habe, das es hier so nicht gibt. Kein Land ist perfekt und man muss abwägen, was einem wichtig ist. Ja, der Winter ist sehr dunkel und kalt hier und dauert mind. 5 Monate, dafür genießen wir aber die Ruhe und die Nähe zur Natur, die wir so gern erkunden (wenn es nicht gerade -10 Grad oder weniger sind 😉 ). Das Land strahlt einfach eine gewisse Ruhe aus, deshalb fühlt es sich im Moment am ehesten wie unsere Heimat an.


 

Vielen Dank, Steffie, dass du dir die Mühe gemacht hast, meine Fragen zu beantworten. Und dann auch noch so irre schnell. 🙂

Mehr von Steffie kannst du auf ihrem Blog Fjordliebe finden oder auf ihrem Instagram-Account.

Ha det fint
Alina ♥

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