Kleine, aber feine Unterschiede … Norwegen vs. Deutschland – Teil 1

Andere Länder, andere Sitten. Dieser Spruch kommt nicht von ungefähr. Jedes Land hat seine eigenen kulturell geprägten Normen und Werte und auch wenn sich vor allem europäische Länder oftmals stark ähneln, gibt es sie eben doch: die kleinen, aber feinen Unterschiede.

Einige dieser Unterschiede, die Deutschland und Norwegen kulturell unterscheiden, konnte ich bereits feststellen und lebe, bzw. erlebe sie jeden Tag. Gucken wir sie uns doch einfach mal genauer an …

Beim Busfahren wird sich angeschnallt.

Einige unserer deutschen Linienbusse haben sie auch noch. Als scheinbar uralte und eigentlich längst ausgestorbene Relikte der Vergangenheit hängen sie in manchen Bussen noch unbemerkt an den Sitzplätzen der Passagiere. Ungenutzt, unbemerkt, verstaubt.
In Norwegen ist das etwas anders … Hier gibt es die Anschnallgurte in allen Linienbussen. Nach jedem Halt blinkt für ein paar Sekunden vorne im Eingangsbereich ein Lämpchen auf, das einen angeschnallten Passagier darstellt. Der dezente Hinweis: Anschnallen bitte. Und tatsächlich: sobald der Bus losfährt, hört man es aus allen Ecken klicken. Es gibt nur einige wenige (meistens Teenager), die unangeschnallt Bus fahren – aber die bilden tatsächlich die Ausnahme. Daumen hoch für diesen Unterschied!

Dein Briefkasten hängt nicht am Haus, sondern an Sammelstellen.

Okay, vielleicht ist das nicht unbedingt für ganz Norwegen gültig, aber mit Sicherheit für Gegenden, in denen die Häuser in die Hänge gebaut sind und dadurch für Postautos nur bedingt zugänglich, bzw. zu schwierig zu befahren sind – so wie in Valestrand zum Beispiel oder auch auf der Strecke Richtung Bergen Zentrum. Nach Briefkästen am Haus sucht man hier nämlich vergebens. Stattdessen begegnen einem immer mal wieder kleine Schuppen oder überdachte Aufsteller, an denen zig Briefkästen hängen: die Briefkästen der Einwohner. Auch „mein“ Briefkasten ist die Straße hoch an der Hauptstraße an eine alte Garage geschraubt. Zusammen mit vielen anderen Briefkästen. Und wer jetzt denkt, man muss da jeden Tag mit seinem Briefkastenschlüssel hinwatscheln, um nach der Post zu schauen, der irrt. Denn abgeschlossen ist nicht einer dieser Kästen.
Wow … die Norweger scheinen eine große Menge Grundvertrauen in ihre Mitmenschen zu haben – das finde ich toll. Es wird halt einfach kein Unfug mit der Post anderer Menschen gemacht, also wozu sollte man sie abschließen? Super Nebeneffekt: Der Postwagen muss weit weniger häufig anhalten und wieder anfahren und hat insgesamt kürzere Strecken und produziert dadurch gleich eine Ecke weniger CO2.

Und wenn du dich jetzt fragst, was mit den Paketen ist, dann kommt hier deine Antwort:

Pakete werden in der nächsten Poststation im Supermarkt abgegeben.

Gaaaanz recht. Der Postbote trägt kein Paket zum Empfänger, sondern liefert sie einfach alle im nächsten Postzentrum ab. Diese findet man zumindest hier in der Gegend immer in einem Supermarkt. Ich gehe mal davon aus, dass dann entsprechend ein Hinweis im Briefkasten liegt, dass das Paket zur Abholung bereit liegt – ähnlich wie bei uns, wenn der Zustellversuch fehlschlug. Aus dem oben genannten Grund finde ich das sehr erstrebenswert: Weniger CO2-Emission! Dann muss man sich halt mal bewegen, um seine Pakete zu erhalten. Den einzigen Nachteil den ich hier sehe: was, wenn im Paket z.B. Medikamente etc. für ältere Personen sind, die sich nicht mehr gut bewegen können? Lösungen gäb es dafür mit Sicherheit; aber vielleicht sind die norwegischen Rentner einfach fitter als unsere (oder bekommen halt keine Pakete). 😉

Der Müll kommt an die Hauptstraße.

Die Norweger trennen Müll ähnlich wie wir in Deutschland: Papier, Restmüll und Plastik. Nur einen Biomüll scheint es nicht zu geben. Ich habe gelesen, dass die Müllentsorgung örtlich geregelt wird – meine Erfahrungen gelten also nur für den Müll in Valestrand.
Jeder Haushalt hat hier zwei Mülltonnen: Papier und Restmüll. Außerdem gibt es große Plastiktüten – also wirklich, wirklich große Plastiktüten – in denen der Plastikmüll gesammelt wird. Ähnlich wie mit der Post, fährt auch die Müllabfuhr nicht in die kleinen und zum Teil sehr steilen Straßen zu den einzelnen Haushalten. Das bedeutet, dass die Mülltonne, bzw. der Müllsack, sobald er/sie voll ist, am entsprechenden Tag an die Hauptstraße geschlürt werden muss. Bei mir ist das immer mittwochs morgens der Fall.
Ich denke, das hat zumindest hier in Valestrand rein praktische Gründe: Ein Müllabfuhrwagen würde zwar vielleicht noch die kurvige und steile Straße zum Haus herunterkommen, aber niemals wieder rückwärts hoch – denn Platz zum Wenden gibt es hier nicht. Meine Mülltonnen sind bis jetzt noch nicht voll, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass es nicht so schön sein wird, eine volle und schwere Restmülltonne die (wirklich steile) Straße hochzuzerren. Oh je! 😉

So viel zu den Unterschieden im ersten Teil. Es folgen noch weitere Teile, versprochen. Je länger ich hier bin, desto mehr Unterschiede fallen mir auf.

Bis dahin: ha det fint!
Alina ♥

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